Es ließe sich hier ein Buch schreiben über „das Parfüm“, - aber das haben ja schon viele ausgezeichnete Autoren getan, - wir verweisen hier gerne auf Patrick Süskind (Das Parfüm), etc.

Aber lassen Sie uns nun unsere eigenen Assoziationen zum Thema „Parfüm“ vorstellen. Dies ist natürlich sehr subjektiv und beinhaltet die eigene Meinung – geprägt durch über 25 Jahre Dufterlebnisse.

Das Wichtigste vorab. Wir sind Freunde von nur ausschließlich natürlichen Düften. Ohne dass wir es zu sehr in’s „Esoterische“ gleiten möchte, - unser Umgang mit Kräutern, Pflanzen und Düften hat uns gezeigt, dass ein natürlicher Duft mehr ist, als nur ein Haufen bunt zusammengewürfelter Aromen und sei er noch so naturidentisch und perfektioniert ausgetüftelt. Die Natur ist das göttliche Schöpfungsprinzip - das Absolute - das Lebendige. Dies drückt sich auch in den Düften aus, die man zwar kopieren kann, die aber nie die Tiefe und das Feinstoffliche enthalten, wie es die Natur hervorbringt.

Riechen Sie doch mal an einem frisch aufgeblühten Fliederstrauch, an ein Maiglöckchen, an eine Lindenblüte...

Diese Düfte, die sich noch weiter fortsetzen ließen – wehren sich eingefangen zu werden. Sie sind selbst im natürlichen Gewinnungsverfahren, sei es durch Destillation, Extraktion, Mazeration, etc., kaum fassbar und nur im Original erlebbar. Im Labor nachgebaute Düfte derselben verdienen eigentlich gar nicht die Bezeichung der jeweiligen Pflanze.

Kommen wir wieder zur Vielfalt der Aromen und Düfte die unser Leben tagtäglich beeinflussen. Vorrangig sind dies synthetisch „Nachgebaute“, die mit ihrer starken Dominanz die „Natürlichen“ in den Hintergrund drängen. Sei es in Waschmitteln, in Reinigungsmitteln, in Lebensmitteln wie Joghurt, Süßigkeiten, Eis und Tees. Nach einem, - für mich erschreckenden Test in Kindergärten, wurde Joghurt von Kindern auf ihre Beliebtheit getestet. In der Beliebtheit an Stelle Nr. 1 rangierten die Joghurts mit starken künstlichen Fruchtaromen, die - welche z.B. nur Erdbeerstückchen beinhalteten - waren unter „ferner liefen“ am unbeliebtesten und wurden von jedem Kind mit „fad“ zur Seite gestellt. Gehen wir weiter zu den Tees. Es gibt inzwischen 100-te von versch. Sorten, 98% davon sind alle mit künstl. Aromen, wie es so schön heißt „aromatisiert“. Ich möchte Ihnen in keinster Weise Ihren Teegenuss schmälern, - aber für mich sind diese – grundweg alle zu stark parfümierten - Tees mit den phantasievollen Namen wie „Schokotraum“, „Karameldesert“, „Früchtebouquet“, usw. ein Gräuel.

Sorry, wenn wir Ihnen hier auf die Füße treten, aber schon wenn wir das Wort „Aroma“ auf Lebensmitteln lese, läuft uns ein kalter Schauer den Rücken hinunter, obwohl oder gerade weil wir ein Duftmenschen sind. Jetzt sind wir aber weit abgeschweift, da dies eigentlich das Kapitel „Das Parfüm“ beinhalten sollte.

Der Wortbegriff „Parfüm“ beinhaltet natürlich nicht nur „Parfümkreationen“ auf Alkoholbasis, sondern erstreckt sich über unsere ganze Duftpalette von Cremes, Lotionen, Körperölen und Pflegeprodukten.

Lange, lange hat es gebraucht, bis wir uns an das klassische trad. Parfüm mit Alkohol traute. Die Gründe liegen auf der Hand. Siehe oben und die Duft-Aura der mir alltäglich begegneten Menschen mit ihren überladenen, einhüllenden Duftwolken taten ein Übriges. Dürfen wir dass sagen? Neulich hatten wir eine Außenprüfung vom Finanzamt. Eine salop modisch gekleidete Dame saß einen Tag lang in einem separaten Raum über der Buchhaltung. Wir konnten eine Woche lang nicht mehr diesen Raum betreten, so durchdrungen aufdringlich süß und lang anhaftend war ihr Parfüm. Wenn uns ein Bild nicht gefällt, können wir wegschauen, aber Düften kann man schlecht ausweichen, da wir atmen müssen, und dadurch zum Riechen gezwungen sind.

Dieser Umstand muss nicht unbedingt negativ sein. Schon seit dem Altertum, überhaupt seit wir Mensch sind und auch bei den Tieren, sogar bei Insekten spielt der Duft eine sehr wichtige Rolle.

Duft ist Verführung, - Anlockung, Verzauberung. Diesen Umstand wussten die Frauen schon immer zu schätzen und sie setzen ihn auch dementsprechend ein. Dufterlebnisse sind emotional, sie gehen in den Teil des Gehirns, der die Emotionen steuert. Sie gehen in die Tiefe, es berührt uns z.B., wenn wir einen Duft aus der Vergangenheit wahrnehmen, der uns an eine Person, - an ein Erlebnis erinnert. Ein Dufterlebnis hat oftmals auch etwas mystisches, magisches mit Glücksgefühlen verbunden, - an sich.

Wir können den Duft nicht festhalten. Er ist - wie Stephan Jellinek es treffend ausdrückt, - mehr eine Verheißung und weniger als deren Erfüllung, - denn wir empfinden das versprochene Glück als schon wahrnehmbar anwesend, und doch können wir es nicht in Besitz nehmen.

Einer der schönsten Eigenschaften des Parfüms ist wohl „Der Charme des Unnötigen“. Vieles was der Mensch tagein, tagaus tut und erlebt, lässt sich oft aufteilen in nötig und unnötig. Essen ist nötig, dazu eine schöne Musik hören ist unnötig. Lebensmittel sind nötig, - Blumen sind unnötig. Miteinander kommunizieren ist nötig – Lieder singen unnötig. Dies ließe sich beliebig fortsetzen – jedoch mit einem Ergebnis:

Das, was die Freude am Leben erst ausmacht, die Quintessenz beginnt beim Unnötigen.

Ein unnötiges Geschenk erfreut einem oftmals mehr als ein nötiges. Wie farblos, wie kalt kann ein Leben sein, wenn das Unnötige fehlt.

Und – Parfüm zählt zweifelsohne zum Unnötigen. Wir können auch ohne Parfüm leben. Aber Parfüm, als der „Luxus des Unnötigen“ kann unser Leben doch bereichern, verschönern, vergolden… Weil es als „Luxus“ über den Nöten und Zwängen des Alltags schwebt, hilft es uns mit seinem Duft diesem Alltag zu entfliehen und befreit uns, eben aus diesen Zwängen und dem Trott des immer gleichen. Es kann eine Zuflucht in grauen Tagen sein, es hebt uns aus der Monotonie des Alltäglichen und schenkt uns Glücksmomente an Emotionen durch den Duft der Pflanzen. Wie heimelig kann ein kalter Wintertag sein, wenn es nach Zimt und Orangen duftet. Wie geht einem das Herz auf, wenn einem subtiler Rosenduft um die Nase schwebt, obwohl der Jahreszeit entsprechend gerade gar keine Rosenblüten blühen. Oder der exotische Duft von Gewürzen, Sandelholz und Champacamblüten, lässt uns einen phantasievollen Einblick erahnen in die geheimnisvolle Welt Indiens.

Dies ist wohl das Hauptargument eines guten Parfüms. Genussvolle Augenblicke, in denen uns die Eindrücke des Duftes, alles andere vergessen macht. Das Parfüm hebt seine(n) Träger(in) über die Momente des Blickkontaktes hinweg, es lässt einen teilnehmen an der Person, die einem begegnet und verrät dadurch auch einiges über diesen Menschen. Sei es nun anziehend oder abstoßend.

Da jeder Mensch einen eigenen Körpergeruch, eine eigene Duftaura hat, kann ein Parfüm seinen Träger(in) in seiner Art, in seiner Selbstpersönlichkeit unterstützen. Es gibt ihr / ihm eine gewisse Selbstsicherheit, die da sagt: Ich will, dass Du auf mich aufmerksam wirst, ich will für dich attraktiv sein, ich will dass Du mich beachtest. Es steigert die Empfindung der Geschlechter untereinander in dem es diese Botschaft aussendet. Das Parfüm als Lockmittel, als Aphrodisiakum, ist ein Weg den natürlichen Duft des Körpers auf mystische Weise zu verstärken und zu unterstützen.

Ihr Parfüm, egal ob Mann oder Frau, - steigert Ihre Ausstrahlung und Ihre Anziehungskraft, weil Sie Ihrem Partner ohne Worte mitteilen, dass Sie sich für Ihn schön machen. Ihr Lieblingsparfüm macht Sie selbstsicherer, - Sie sind in Ihrer Mitte, - und verleiht Ihnen dadurch noch mehr Ausstrahlung. Und weil es ihre Schönheit wie Kerzenschimmer in ein romantisches Licht tauchen kann und Ihrer Aura wie leise Musik Poesie verleiht. Nicht das Parfüm macht Sie verführerisch – sondern „Ihre“ Ausstrahlung mit dem Parfüm. Sehr schön definiert dies Dr. J. Stephan Jellinek. Ein Parfüm in seinem Flakon ist wie die Partitur einer Symphonie: Es ist potentielles Erlebnis, die Verheißung eines Erlebnisses: Die Symphonie lebt erst, wenn sie aufgeführt wird, das Parfüm – wenn man es trägt!

Und jedes Parfüm entwickelt auf dem - durch den naturgegebenen unterschiedlichen - Körpergeruch seine eigene Duft - Aura. Ihnen muss der Duft gefallen, zu Ihnen muss das Parfüm passen – und das Parfüm passt garantiert zu Ihnen, wenn Ihnen der Duft gefällt. Manche Düfte sind wie ein Lied, beim ersten Mal gefällt es noch nicht, man muss sich hinheinhören und langsam lernt man die Melodie kennen und lieben.

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